Über Jersey

Die Insel

Bewohner und Regierung

Jersey ist eine parlamentarische Demokratie unter der britischen Krone. Obwohl Jersey zu den Britischen Inseln gehört, ist es weder Teil des Vereinigten Königreichs noch eine Kolonie.

Gemäß seiner Verfassung hat Jersey den Status eines Crown Peculiar, d.h. es hat eine enge Beziehung zum Vereinigten Königreich bei gleichzeitiger weitgehender Unabhängigkeit. Da die Insel juristisch dem Bailiff, dem obersten Verwalter, unterstellt ist, ist sie entsprechend als Bailiwick anzusehen. Es gibt auf Jersey keine politischen Parteien, kein Kabinett und keinen Premierminister.

Jersey und das Vereinigte Königreich

Obwohl Jersey gesetzgeberische Unabhängigkeit genießt, gilt der Treueschwur unvermindert, den die Insel einst im Jahre 1066 der englischen Krone schwor, als Willhelm, Herzog der Normandie, als Willhelm I von England den Thron bestieg.

Queen Elizabeth II, die oberste Monarchin, ist auf der Insel durch den Lieutenant-Governor (Vizegouverneur) vertreten, der eine Mittlerrolle zwischen der Regierung von Jersey und den Teilstaaten des Vereinigten Königreichs einnimmt.

Die vom britischen Parlament erlassenen Gesetze gelten nicht automatisch auch auf Jersey, aus praktischen Gründen beziehen sich im Vereinigten Königreich geltende Gesetze aber manchmal direkt oder indirekt auch auf die Insel (im letzteren Fall über eine so genannte Order of Her Majesty in Council). Im Königreich gemachte Gesetzesänderungen werden im Allgemeinen übernommen. Jersey sendet keine eigenen Repräsentanten nach Westminster.

Außenpolitik

Schon seit langem kümmert sich traditionell das Vereinigte Königreich um die außenpolitischen Belange der Insel, allerdings nur im Einvernehmen mit den States of Jersey, dem Parlament von Jersey.

Folglich hat Jersey das Recht und die Freiheit, unabhängig internationale Vereinbarungen umzusetzen – wovon die Insel öfters Gebrauch macht. Die Verwaltung operiert also parallel zu der des Vereinigten Königreichs und ist letzterer nicht untergeordnet.

Jersey und die EU

Jersey ist zwar kein offizieller Mitgliedstaat der Europäischen Union, verfügt aber dennoch über eine besondere Beziehung zum europäischen Staatenbund. Deren genauer Charakter ist im Dritten Zusatzprotokoll zum Abkommen beschrieben, das den Beitritt des Vereinigten Königreichs zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft regelt.

Parlament

Das Parlament von Jersey wird als States of Jersey bezeichnet und besteht aus 53 gewählten Vertretern, die sich aus den verschiedenen Wahlkreisen der Insel rekrutieren. Die Versammlung besteht aus 12 Senators (Amtsdauer: 6 Jahren), 29 Deputies (3 Jahre) sowie 12 Constables bzw. Connétables (3 Jahre).

Die Constables sind die Vorsteher von Jerseys 12 Gemeinden und leiten die jeweiligen Parish Assemblies (Gemeindeversammlungen), bei denen alle Steuerzahler und Stimmberechtigten ihre Meinung kundtun können. Die von Haus- und Grundbesitzern entrichteten Steuern dienen der Finanzierung öffentlicher Dienste wie Straßenbeleuchtung, Müllabfuhr und soziale Wohlfahrt.

Dem Parlament steht der Bailiff als oberster Verwalter vor, der auch die Leitung des Royal Court, des obersten Gerichts, innehat. Dadurch, dass der Bailiff gleich in drei verschiedenen Rollen auftritt – Vorsitzender des Parlaments, Vorsitzender der Judikative sowie Gemeindevorsteher – gilt er gemeinhin als oberster und ehrenwertester Bürger der Insel. In seiner Funktion als Vorsitzender der Judikative stehen ihm der Deputy Bailiff und die 12 gewählten Jurats (Sachrichter) zur Seite.

Kurz zusammengefasst, besteht das Parlament von Jersey also aus dem Bailiff, dem Lieutenant-Governor, den 12 Senators, 12 Constables und 29 Deputies, dem Dean of Jersey (Dekan von Jersey), dem Attorney-General (Justizminister) sowie dem Solicitor-General (Zweiter Kronanwalt). Sie alle haben das Recht, während der Zusammenkünfte des Parlaments das Wort zu ergreifen – stimmberechtigt sind allerdings nur die 53 gewählten Mitglieder, d.h. die Senators, Constables und Deputies.

Exekutive

Im Dezember 2005 wurde in Jersey ein neues Regierungssystem eingeführt. Dabei wurde das alte auf dem Committee basierende System durch einen Council of Ministers (Ministerrat) ersetzt, der zusätzlich von Scrutiny Panels (Untersuchungsgremien) unterstützt wird. Die Gesamtzahl der Parlamentsmitglieder ist noch immer auf 53 begrenzt, davon können insgesamt 23 ministeriale Ämter bekleiden, entweder als Ministers (max. 10) oder als Assistant Members (max. 13), während die übrigen 20 Mitglieder in den Scrutiny Panels Einsitz nehmen können.

Steuerwesen

Die Einwohner von Jersey haben jährliche Einkommenssteuern zu entrichten – deren Sätze allerdings deutlich niedriger liegen als auf dem britischen Festland. Obwohl keine Mehrwertsteuer erhoben wird, hat das Parlament der Einführung einer Goods and Services Tax (GST) von 3% ab 2008 zugestimmt. Dies stellt eine bedeutende Reform des Steuerwesens dar, denn dadurch reduziert sich Jerseys Abhängigkeit von direkten Steuern, bisher die primäre Einkommensquelle zur Finanzierung der öffentlichen Dienste.

Bevölkerung und Sprache

Zum Zeitpunkt der jüngsten Volkszählung von 2001 lebten auf Jersey 87.186 Menschen, von denen gut die Hälfte (52%) auf der Insel geboren wurde.

Die wichtigste Sprache in Handel und Alltag ist das Englische; einige Bewohner, besonders ältere Menschen aus ländlicheren Regionen, sprechen aber noch immer Jèrriais, eine besondere Form des Normannischen, das aus dem Altnordischen und der normannischen Variante des Französischen hervorgegangen ist.

Bis in die 1960er war das Französische die offizielle Sprache von Jersey und sie dominiert noch heute vor allem das Rechtswesen. Die meisten Straßennamen auf der Insel sind ebenfalls französisch.

Alles Weitere über Jersey erfahren Sie unter: States of Jersey Government